Sicherheit geht vor

von Hendrik Heimer / am 25.01.2017 / in Allgemein

Der „worst case“ beim Segeln ist ein MOB – also ein „man over board“. Geht man über Bord, dann ist das in den meisten Fällen ein Todesurteil. Selbst bei einer großen Crew sind die Chancen, wieder lebend an Bord zu kommen, minimal. Bei Seegang gerät man nach wenigen Minuten außer Sicht und oft ist es reines Glück, wenn man dann durch ein MOB-Manöver (also ein Segelmanöver, um das Unfallopfer zu finden) wieder aufgefischt wird. Zumal es durch Unterkühlung noch Stunden nach der Rettung zu Todesfällen kommt – Stichwort „Hypothermie„. Wie schwierig es ist, einen Verunfallten wieder an Bord zu holen, zeigt dieser Bericht der BSU aus 2012 über einen Unfall auf der Segelyacht SPECIAL ONE.

Der bekannte Weltumsegler Bobby Schenk meinte deshalb, „das beste MOB-Manöver ist das, das man nicht braucht“. Deshalb sollte man unbedingt vermeiden, über Bord zu gehen. Das umso mehr, wenn man nur zu zweit oder gar Einhand (also alleine) an Bord ist. Das ist nun keine neue Erkenntnis, daher ist es umso erstaunlicher, dass keine einzige Serienyacht ab Werft entsprechend vorbereitet ist, um die Crew ausreichend zu sichern. Es bleibt dann den Eignern überlassen, nach eigenem Ermessen Installationen vorzunehmen.

In den allermeisten Fällen werden dann entlang der Seitendecks sog. Strecktaue gespannt und man pickt sich mit einer Lifeline ein, wenn man zum Mast oder zum Vordeck muß. Das sieht dann etwa so aus, wie in dieser Werbung von Plastimo:

(C) Plastimo

Dummerweise bringt diese Anordnung überhaupt keine Sicherheit, da man noch immer über Bord fallen kann. Nur hängt man dann an der Lifeline außerbords und man wird vom Sog des Wassers unter Wasser gezogen und ertrinkt in wenigen Minuten. Niemand hat die Kraft, sich selbst wieder an Bord zu ziehen.

Noch gefährlicher ist es, sich mit der Lifeline direkt in die Reling einzupicken. Der Relingsdraht ist nicht für so eine Belastung gedacht, wie der BSU-Bericht zum Unfall auf der DEN BLA zeigt. Die sehr gut recherchierten Berichte der BSU sind übrigens hervorragend dazu geeignet, mögliche Unfallursachen zu erkennen und diese bei der Entwicklung eines optimalen Sicherheitskonzepts zu berücksichtigen.

Denn die VOLT soll nicht nur eine sehr schnelle Fahrtenyacht werden, sondern auch extrem sicher zu segeln sein. Sicherheit geht vor. Daher haben wir uns viele Gedanken um eine optimale Sicherung gemacht, um einen MOB zu vermeiden. Das ist nur möglich, wenn die Lifelines zur Schiffsmitte hin gesichert werden. Dieser Segler der „RÜM HART“ macht es richtig:

(c) www.ruemhart.net

Das Strecktau verläuft mittig und der Segler kann unter normalen Umständen nicht über Bord fallen. Allerdings verlassen wir uns dabei nicht auf ein Strecktau, sondern übernehmen ein System aus der Sicherung in Hochseilgärten, dass wir für die Anwendung auf See anpassen. Auf der BOOT 2017 konnten wir einen ersten Prototypen (3D-Druck) des Schlittens in der Hand halten, der später mal in Edelstahlguß gefertigt wird und die Lifeline halten soll.

Die Konfiguration erlaubt eine maximale Bewegungsfreiheit auf dem Vordeck, ohne sich umpicken zu müssen. Man ist dann immer fest mit dem Boot verbunden, sobald man das Cockpit verläßt.

Das Sicherheitskonzept der VOLT umfasst aber viele Bereiche – von optimierten Arbeitsabläufen an Deck oder auch unter Deck bis hin zur Eigensicherung an Deck, im Mast und unter Deck. Außerdem treffen wir konstruktive Maßnahmen, um einen Wassereinbruch zu vermeiden, zu erkennen und auch wieder zu beheben. Insgesamt ensteht so ein integriertes Sicherheitskonzept, um letztendlich die sicherste Fahrtenyacht der Welt zu bauen.

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