Auf dem Schwan unterwegs

von Hendrik Heimer / am 22.05.2017 / in Allgemein

Manche Werften sind legendär, ihre Yachten umgibt eine Aura von Perfektion und man sagt ihnen fast überirdische Fähigkeiten nach – was auch nur dazu dienen mag, den überirdischen Preis zu rechtfertigen. Eine dieser Werften ist Nautor’s Swan aus Finnland, und als ich die Einladung erhielt, eine Swan 54 auf Mallorca zu segeln, habe ich natürlich sofort zugestimmt.

Es war ein perfekter Segeltag auf der Swan und eine kurze Zusammenfassung habe ich auf unserem Youtube-Channel veröffentlicht.

Aber natürlich interessierte ich mich zuerst einmal für ein paar technische Details der Swan, die wir für die VOLT übernehmen können. Besonders aufgefallen ist mir dabei das Carbon-Rigg. Wir hatten bei der Konfiguration der VOLT bereits über einen Carbon-Mast nachgedacht, da er ein paar entscheidende Vorteile gegenüber einem Aluminium-Mast hat – vor allem beim Gewicht und bei der Festigkeit.

Durch den langen Hebelarm hat das Gewicht im Mast eine enorme Wirkung auf das aufrichtende Moment. Spart man sich 100 kg im Mast, so spart es etwa 400 kg an Gewicht im Kiel, ohne die Stabilität der Yacht zu beeinträchtigen. Oder man entscheidet sich für ein höheres aufrichtendes Moment, dann segelt die Yacht aufrechter und damit auch mit mehr Segelfläche im Wind (die auf eine senkrechte Fläche projizierte Segelfläche ist umso kleiner, je größer die Krängung der Yacht ist, die Segel also „schräg“ stehen) und daher auch schneller.

Die höhere Festigkeit eines Carbon-Mastes erlaubt es dann auch wieder, mit mehr Segelfläche zu segeln und später zu reffen. Nicht umsonst verwenden alle Racer wie z.B. die Open 60 einen Carbon-Mast. Hier der Mast der Swan 54 von Hall Spars mit Mastrutschern von Harken (wobei es da bessere Alternativen gibt, z.B. von Karver):

Doch richtig interessant wurde es bei den Wanten, die ebenfalls aus Carbon waren. Das kannte ich noch nicht. Das übliche Material für das stehende Gut ist Stahl bzw. Stahldraht. Aber Stahl ist schwer und er altert, sodaß er nach 10 Jahren ausgetauscht werden sollte. Die moderne Alternative ist Dyneema, das sehr leicht ist, aber eben auch anfällig gegen Reibung und bei dauerhafter Zugbelastung soll es sich mit der Zeit langsam dehnen. Manche empfehlen, die Dyneema-Wanten nach spätestens 3-4 Jahren auszutauschen. Das wäre für eine Fahrtenyacht aber extrem unwirtschaftlich.

Daher haben mich die Carbon-Wanten sehr begeistert. Bis zu 70% Gewichtsersparnis, hochfest und sehr langlebig. Bei richtiger Behandlung können sie – wie auch der Mast – Jahrzehnte halten. Das würde auch einen höheren Anschaffungspreis rechtfertigen. Die hohe Festigkeit bringt natürlich auch wieder ein Mehr an Sicherheit, da das Risiko eines Mastbruches sinkt. Ein Mast bricht häufig dann, wenn ein Want gebrochen ist. Die Wanten sind noch mit einer Gewebehülle gegen Reibung und UV geschützt.

Die Maststufen aus Nylon sind auch extrem praktisch, um einfach auf den Baum zu kommen. Viele Fahrtenyachten haben die Stufen bis in den Masttop, um einfacher – und vor allem auch Einhand – in den Mast klettern zu können. Aber mir würden schon Stufen im unteren Bereich reichen, da ich mir für weiter oben eine Lösung aus der Kletterei ausgedacht habe. Über die beiden fliegenden Backstagen kann man (wenn sie am Mast anliegen) mit zwei Steigklemmen und gesichert mit einem Hüftgurt relativ einfach nach oben steigen.

So sehen die Maststufen eingeklappt aus:

Und so sind sie ausgeklappt:

Erwähnenswert wären noch die 3Di Segel von North Sails, die eine wirklich großartige Performance zeigten. Da zeigt sich mal wieder, eine Investition in gute Segel lohnt sich auf jeden Fall.

 

 

Kommentare sind geschlossen.