Es werde Strom

von Hendrik Heimer / am 04.09.2017 / in Allgemein

Das Energiemanagement an Bord einer Segelyacht ist zunehmend eine Herausforderung. Früher war alles ganz einfach: es ist ein Segelboot, wozu braucht es denn Strom? Gekocht wurde mit Gas, Licht gab es über eine Petroleumleuchte. Auch Wilfried Erdmann hatte auf seinen Weltumsegelungen anfangs gar keinen Strom an Bord, später dann  immerhin eine kleine Batterie (und noch viel später dann sogar einen kleinen Dieselmotor).

Aber die Zeiten ändern sich. Moderne Segelyachten haben jede Menge Elektronik und elektrische Geräte an Bord – vom Chartplotter bis zum Flachbildfernseher, von der Waschmaschine bis zum Induktionsherd. Dazu noch eine ausgefeilte LED-Beleuchtung. Und wenn man in ein paar Jahren dann einen Blick in die VOLT werfen wird, dann entdeckt man bestimmt auch eine hochwertige Espressomaschine in der Küche.

Also muß Strom her, und davon jede Menge. Der heute übliche Weg ist eine Kombination aus Diesel-Generator, Lichtmaschine des Hauptantriebs, Solarpanele und vielleicht noch einen Windgenerator, die dann alle eine Batteriebank speisen. Falls man nicht in einer Marina liegt und ein dickes Landstromkabel alles versorgt.

Bei der VOLT wollen wir ja ein wenig nachhaltiger unterwegs sein. Der Antrieb mit seinen 2 x 10 KW ist elektrisch, von daher gibt es schonmal eine vergleichsweise riesige Batteriebank, die locker alle möglichen Verbraucher an Bord mit Strom versorgen kann. Gegen den Antrieb wirken alle anderen Geräte eher sparsam – selbst der Induktionsherd braucht nur ca. 1,5 KW je Platte.

Aber wie bekommt man nun ausreichend Strom in die Batteriebank? Da setzen wir ja auf den Hydrogenerator des Antriebs. Bei 10 kn Fahrt sollte dieser ca. 2 KW Leistung erzeugen. Geschwindigkeit ist also wichtig und deshalb soll die VOLT auch ein leichtes und schnelles Boot werden – analog zur PURE, mit der wir das alles testen werden. Der Hydrogenerator funktioniert aber nur bei schneller Fahrt unter Segeln und bringt am Ankerplatz gar nichts. Daher gibt es noch große Solarpanele, was aber nicht ausreichend wäre.

Man braucht also noch einen Stromerzeuger an Bord. Der heutige Standard ist ein Gleichstrom-Dieselgenerator. Aber wir wollen ja weg vom Diesel. Eine mögliche Alternative wäre daher eine Brennstoffzelle, die aus Methanol Strom erzeugt. Genau so ein Gerät haben wir im Sommer 2017 an Bord der PURE getestet.

Die sehr kompakte EFOY Comfort 140 erzeugt immerhin 6A, was für die Verbraucher an Bord absolut ausreichend war.

Wir testeten die EFOY mit einer Kompressor-Kühlbox von Dometic, damit wir einen starken Verbraucher an Bord haben, der die Brennstoffzelle auch etwas fordert. Die Kühlbox hat sich übrigens als wahrer Glücksgriff erwiesen, sehr geräuscharm und leistungsfähig. Selbst bei der Hitzewelle in Kroatien mit über 40 Grad konnte immer die vorgewählte Temperatur gehalten werden.

Die EFOY-Brennstoffzelle war ganz im Heck der Seascape 27 verbaut und passte da perfekt rein.

Auch hier muß man sagen, die Erfahrungen waren nur positiv. Zuerst einmal ist sie fast völlig geräuschlos, was auf so einem kleinen Boot enorm wichtig ist. Man möchte ja nachts auch schlafen können. Und dann war das Handling extrem einfach. Man stellt die EFOY auf „Automatic Mode“ und kann sie eigentlich vergessen. Sobald die Batteriespannung absinkt, schaltet sie sich automatisch ein.

Die Kühlbox brauchte etwa 3-4 A, der Autopilot weitere 1,5 bis 2A, sodaß die EFOY gut ausreichend war.

Wir haben die Erfahrungen auch nochmal in einem Video zusammengefasst, das auf unserem Youtube-Channel läuft.

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Video-Link: https://youtu.be/YEyd9U8GzXQ

#nextgenerationyachting

 

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