Die VOLT – der lange Weg zur Perfektion

von Hendrik Heimer / am 07.10.2017 / in Allgemein

Der Bau einer neuen Yacht ist ein sehr langwieriger Prozess mit vielen Iterationen. Ich möchte daher mal über den aktuellen Stand berichten, der aber noch weit von den endgültigen Plänen entfernt ist. Doch die wesentlichen Merkmale der VOLT zeichnen sich schon ab.

Der Whow!-Faktor ist wichtig. Die spontane Reaktion auf das Boot sollte „Whow, was für ein Boot!“ sein. Das schafft man nicht, indem man ein Boot so baut, wie auch alle anderen gebaut werden. Daher gehen wir an vielen Stellen neue Wege.

Die VOLT soll Schnelligkeit mit dem Komfort einer Fahrtenyacht verbinden. Wir haben deshalb ein sehr niedriges Freibord mit einem negativen Decksprung, sodaß das Profil eher an die Seascape 27 erinnert. Ein direkter Vergleich der VOLT (unten) mit der ähnlich großen Garcia Exploration 45 (oben) zeigt den Unterschied.

Bild: Vergleich der Seitenansicht VOLT mit Garcia Exploration 45

Beides sind Aluminium-Decksalonyachten, aber die Garcia hat eine traditionelle Rumpfform mit einem massiven Decksaufbau, der eher plump wirkt. Die VOLT ist da wesentlich schnittiger und der Decksalon flacher. Das wird auch durch das tief liegende Cockpit ermöglicht. Man verliert dadurch zwar die Achterkojen, kann aber über nur zwei Stufen in den Salon steigen. Da ein Boot dieser Größe meist nur von einem Ehepaar oder sogar Einhand gesegelt wird, werden die Achterkojen sowieso oft nur als Stauraum verwendet.

Am Design des Decksalons, speziell Dach und Fensterform, werden wir noch arbeiten, um die VOLT unverkennbar zu machen. Wichtig ist aber die Keilform, damit der Rudergänger vom erhöht liegenden Steuerstand aus auf das Vorschiff sehen kann. Ebenso wichtig ist ein freier Durchblick vom Cockpit durch den Salon, da ein Decksalon natürlich auch die Sicht etwas einschränkt. Tote Winkel sollten aber möglichst vermieden werden.

Die vorläufigen Pläne zeigen den aktuellen Entwicklungsstand, der aber in vielen Details noch verbessert wird.

Gut zu sehen sind aber schon die wesentlichen Merkmale der VOLT. Der Hubkiel bietet ausgefahren mit 2,80 m Tiefgang eine optimale Segelperformance, mit nur 1,20 m aber auch die Möglichkeit, in flache und geschützte Buchten zu fahren oder Untiefen zu vermeiden. Dazu passend verspricht der flache und breite Rumpf in Kombination mit dem Carbon-Rigg mit Square-Top Großsegel hohe Geschwindigkeiten auf Downwind-Kursen und perfekte Leichtwind-Eigenschaften. Da orientieren wir uns beim Design ganz klar an Racern wie der Open 40 oder eben auch der Seascape 27, die wir ja schon ausführlich testen konnten.

Wichtiges Element ist dabei auch das Doppelruder. Zum einen bietet es eine bessere Kontrolle des Bootes bei starker Krängung, und zum anderen ermöglicht es ein Trockenfallen, also ein Aufsitzen des Bootes auf dem Meeresgrund in Tidengewässern. Das Boot steht dann nur auf den beiden Rudern und dem eingefahrenen Kiel.

Berckemeyer BM40 Clipper im Watt. (C) Berckemeyer

Der Nachteil eines Doppelruders ist die schlechte Manövrierfähigkeit unter Motor, da die Ruder nicht direkt angeströmt werden. Das ist vor allem bei langsamer Rückwärtsfahrt bei Hafenmanövern ein Problem. Die VOLT verwendet deshalb zwei Motoren, sodaß jedes Ruder einzeln angeströmt werden kann. Das ermöglicht eine perfekte Manövrierfähigkeit ähnlich  der eines Katamarans und es erspart uns auch das Bugstrahlruder. Das Sahnehäubchen ist dann noch eine Fernbedienung der Motoren, sodaß man diese von jeder Position auf dem Boot steuern kann. Das ist eine ernorme Erleichterung für Einhandsegler bei Hafenmanövern, da die Fernbedienung quasi einen zweiten Mann am Ruder ersetzt.

Zwei Motoren wären schon aus Platzgründen mit Dieselmotoren nur schwer umsetzbar gewesen. Aber mit den Elektroantrieben von Oceanvolt ist das kein Problem. In diesem Entwurf sind noch die Saildrives eingezeichnet, wir werden aber vermutlich die nagelneuen Wellenantriebe AXC10 verwenden. 2 x 10 KW sollten bei einer so leichten Yacht <10t ausreichend sein. Wellenantriebe sind für eine Fahrtenyacht einfach die bessere Wahl.

Die Pläne oben zeigen noch ein paar weitere Details der VOLT. Da ist als zentraler Aufenthaltsort der Salon, der auch sitzend vom Salontisch aus einen 360-Grad Panoramablick ermöglicht. Da die VOLT auch in hohen Breiten gesegelt werden soll, möchte man eben auch bei Schlechtwetter oder Kälte eine schöne Aussicht haben und nicht tief unten im Rumpf ohne Fenster sitzen. Unter Fahrt wird man dann eher im Salon die Wache schieben und den Autopilot steuern lassen. Im Mittelmeer oder Karibik ist das Cockpit der bevorzugte Lebensraum, sodaß auch dieses ausreichend groß gestaltet ist. Und da Salon und Cockpit fast auf einer Ebene liegen, verbinden sich sowieso beide zu einem Lebensraum an Bord. Wir haben uns da von der Beneteau Sense inspirieren lassen.

Ein weiteres Merkmal ist das große Bad an Backbord mit einem beheizten „wet-locker“ für nasse Segelkleidung. Bei langen Passagen mit viel Regenwetter wird es unter Deck schnell klamm und feucht. Überall hängen nasse Klamotten und muffeln vor sich hin. Nicht auf der VOLT, da hängt man die Sachen in den Schrank im Bad und holt sie trocken wieder raus.

Es gibt noch eine zweite Variante für das Innenlayout mit einer zweiten Doppelkabine an Backbord und dem Bad an Steuerbord. Allerdings muß dann auch der Steuerstand verlegt werden und die Küche ist wesentlich kleiner. Da wir keine zwei Doppelkabinen brauchen, haben wir uns für die erste Variante entschieden.

Bei den Steuerständen haben wir auch auf eine gute Ergonomie geachtet. Die erhöhte Position sorgt erstmal für einen guten Überblick. Die Winschen sind leicht vom Rudergänger aus erreichbar. Ebenso kommt man ohne Kletterei über zwei kleine Stufen auf die Seitendecks. Da hat mich das Konzept auf der neuen Jeanneau 440 überzeugt.

Die nächsten Monate werden wir noch viel Aufwand in die kleinen Details stecken. Beispielsweise am Bug, da hätte ich gerne zwei Ankerrollen. Der Geräteträger am Heck wird auch noch geändert, damit man direkt das Bimini anschlagen kann und er auch als Davit für das Dinghy dienen kann.

Für diese Phase werden wir uns die Zeit nehmen, die eben notwendig ist. Denn noch sind es nur Striche auf Papier und ohne großen Aufwand änderbar. Wenn es aber erstmal geschweißtes Aluminium ist, dann ist jede Änderung mit hohen Kosten verbunden. Insofern ist ein guter und wohldurchdachter Entwurf auch eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Bau der Yacht.

#nextgenerationyachting

 

 

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