Mono oder Multi?

von Hendrik Heimer am 09.09.2016 / in Allgemein

Wenn man mal durch eine Marina läuft, wird man kaum zwei wirklich identische Yachten finden, insbesondere bei einer Fahrtenyacht. Es gibt unzählige Bauweisen: Langkieler und Kurzkieler, Slups, Ketsch oder Yawl, Boote in GfK oder Aluminium, Holz oder Stahl. Die Optionen sind endlos.

Aber ein ganz wesentliches Kriterium ist die Zahl der Rümpfe: ein, zwei oder drei. Der Fachmann spricht dann von einem Monohull (klingt besser als Einrümpfer) oder Multihull – wobei letztere als Katamarane oder Trimarane gebaut werden.

Falls man sich also über die optimale Fahrtenyacht Gedanken macht, sollte man zuerst einmal entscheiden, wieviele Rümpfe sie nun haben soll. Und da geht nichts über eigene Erfahrungen. Ein Monohull war mir ja durch die Jahre an Bord der VIATOR bestens vertraut, daher charterten wir auf den Seychellen im Sommer 2016 einen Katamaran, eine Lipari 41 aus dem Hause Fountaine Pajot, eine der großen französischen Serienwerften für Katamarane.

Katamarane sind als Fahrtenyachten zunehmend beliebt, die Verkaufszahlen steigen stark an. Die wichtigsten Argumente für einen Katamaran sind zumeist

  • sie segeln schnell
  • sie bieten viel Platz durch den großen Salon auf dem Brückendeck und den beiden Rümpfen
  • sie krängen nicht, daher angenehmer zu segeln
  • sie liegen ruhig am Ankerplatz, auch bei Schwell
  • sie haben nur geringen Tiefgang, kommen also auch dorthin, wo man mit einer Kielyacht nicht hinkommt
  • die zwei Rümpfe mit zwei Motoren geben eine gewisse Redundanz

Das sind durchaus interessante Argumente, da sie ein paar zentrale Probleme auf einer Langfahrt ansprechen. Aber natürlich gibt es auch Argumente gegen einen Katamaran.

  • sie segeln schlecht am Wind
  • sie können kentern
  • da sie nicht krängen, fehlt auch das Feedback zur Belastung des Rigg und Böen können nicht durch Krängung ausgeglichen werden
  • die enorme Breite verteuert den Aufenthalt in Marinas, da meist das 1,5 bis 2-fache an Gebühren berechnet wird
  • sie sind wesentlich teurer in der Anschaffung

Daher war ich schon sehr gespannt, was unser Törn durch das Archipel der Seychellen für Erfahrungen bringen wird. Auf das Revier selbst möchte ich hier nicht eingehen, vielleicht nur die Anmerkung, dass die Seychellen recht nah an die Idealvorstellungen eines Südsee-Paradieses herankommen. Es gibt kaum ein schöneres Segelrevier auf der Welt.

Aber zurück zur Technik. Was sofort auffällt, wenn man auf einem Katamaran segelt, sie sind ungeheuer geräumig und komfortabel. Einer der Lieblingsplätze an Deck ist natürlich das Netz am Vorschiff. Da liegt man nicht nur am Ankerplatz saubequem, sondern es ist auch ein idealer Platz während der Fahrt. Zumindest, solange man nicht von der Gischt geduscht wird.

Der Salon hat eine perfekte Rundumsicht und wäre auch bei schlechtem Wetter ein beliebter Aufenthaltsort – allerdings hatten wir konstant 30 Grad und blieben dann doch lieber im Cockpit. Dieses ist fest überdacht und bietet – man ahnt es schon – auch jede Menge Platz. Soweit können wir also die Verkaufsargumente der Katamaran-Hersteller bestätigen. Vor Anker in einer schönen Bucht ist ein Katamaran ein wunderbares schwimmendes Condo.

Ein paar Dinge können wir allerdings auch als reine Marketing-Aussagen abhaken. Es gibt sicherlich schnelle Katamarane (wie z.B. Outremer), aber die üblichen Fahrten-Katamarane wie Fountaine Pajot oder Lagoon (siehe dazu den Test weiter unten) sind keinesfalls schneller als ein normaler Monohull. Ich habe immer nach der angezogenen Handbremse gesucht, denn trotz der Square-Top Performance-Segel ging es doch eher schleppend voran.

Eine weitere Legende betrifft die Aussage „ein Katamaran liegt absolut ruhig in der Welle“. Das ist wirklich kompletter Unsinn. Im Gegenteil, die Bewegungen in der Welle sind eher unangenehm, da nicht vorhersehbar. Ein Katamaran bockt wie ein Rodeopferd. Bei einem Monohull sind die Bewegungen zwar größer, aber vorhersehbar. Und damit wesentlich angenehmer für das Wohlbefinden der Crew. Wer gerne seekrank wird, der wird auch auf einem Katamaran seekrank werden. Garantiert.

Entsprechend unruhig liegt der Katamaran dann auch an einem Ankerplatz mit viel Schwell. Auf dem Foto liegen wir bei viel auflandigem Wind vor der Schildkröteninsel Curieuse. Sagen wir mal so, wir sind keine Minute länger als notwendig geblieben. Das Mittagessen fiel aus. Auf einem Monohull hingegen sind auch große Wellen am Ankerplatz kein Problem, solange sie von vorne kommen – was die Regel ist, wenn Wind und Welle übereinstimmen.

Kombiniert man jetzt noch viel Welle und Wind mit einem Kurs hart am Wind, dann hat unsere Lipari 41 vollends die Segel gestrichen. Man kann es fast wortwörtlich nehmen. Wir wollten um Cap Ternay im Nordwesten von Mahe, hatten aber keine Chance, gegen den Wind aufzukreuzen. Selbst eine Wende war ohne Motor nicht möglich.

Wir sind dann umgedreht und vor dem Wind abgelaufen. Immerhin haben wir dadurch dann die wunderschöne Anse Jasmin (siehe Foto oben) gefunden, eine vollkommen einsame Bucht mit einem intakten Korallenriff.

Eine ganz ähnliche Situation zeigt dieses Foto einer Lagoon bei vermutlich 6-7 Bft, also um die 30kn. Der Skipper versucht gar nicht erst zu segeln, sondern kämpft unter Motor gegen den Wind an. Unter Segeln könnte er auch keine Höhe gewinnen, sondern würde nur endlos hin und her kreuzen. Auf einem Monohull würde man gemäß unserer Reffreihe mit Jib (Fock) und dem Großsegel im 2. oder 3. Reff hart am Wind segeln und könnte problemlos aufkreuzen. Abends beim Bier würde man es als einen „guten Segeltag“ bezeichnen. Das sind Bedingungen, bei denen eine gute Yacht erst zeigen kann, was in ihr steckt. Auf Langfahrt muß man jederzeit mit solchen Bedingungen rechnen. Eine sehr gute Performance „hoch am Wind“ ist daher eine ganz wichtige Eigenschaft einer Fahrtenyacht und eigentlich ein Ausschlußkriterium.

Ein paar Punkte konnte ich dann noch beim Probesegeln einer nagelneuen Lagoon 42 vor Mallorca verifizieren. Enorm viel Platz im Cockpit und Salon und sehr komfortabel, auch durch den einfachen Zugang zum Dinghi an den Davits.

Der Salon hat wieder diese unvergleichliche Rundumsicht, die man bei einem Monohull schmerzlich vermisst, da der Salon meist tief unten im Rumpf platziert ist – daher der Begriff „Kellerschiffe“.

Und nochmal das sehr geräumige Cockpit unter Fahrt. Bei wenig Welle spürt man tatsächlich kaum Bewegungen im Boot.

Allerdings bestätigten sich auch wieder die Nachteile. Die Lagoon ist schwerfällig und langsam. Erst mit einem Code 0 kam so etwas wie Agilität auf – allerdings auf Kosten des Kurses am Wind. Mit etwa 50 Grad TWA kann man keine Höhe mehr gewinnen. Da segelt man nur hin und her statt aufzukreuzen.

Das Fazit unserer umfangreichen Tests: als Fahrtenyacht ist ein Monohull deutlich überlegen. Allerdings übernehmen wir ein paar Vorteile des Katamarans in unser Design.

  • die neue Yacht bekommt einen Decksalon, sodaß man aus dem Salon eine perfekte Rundumsicht hat
  • die Yacht erhält zwei Motoren, da die Manövrierfähigkeit im Hafen mit zwei Motoren einfach unübertroffen ist. Da kann man einen Katamaran wirklich zentimetergenau steuern. Außerdem sparen wir uns damit das Bugstrahlruder.
  • der geringe Tiefgang hat überzeugt. Wir kamen an Ankerplätze, die uns mit der VIATOR verschlossen geblieben wären. Allerdings braucht ein Monohull den tiefen Kiel, um gut segeln zu können. Also wird es einen Hubkiel geben, der einfach hochgezogen wird, wenn wir ankern wollen.

Die ideale Fahrtenyacht nimmt langsam Gestalt an…

 

 

 

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