Digitale Träume in Aluminium

von Hendrik Heimer / am 23.04.2018 / in Allgemein

Bislang besteht unsere VOLT ja nur aus ein paar Bytes im Computer unseres Yacht-Konstrukteurs bei Berckemeyer Yacht Design. Da kann man dann schnell mal ein paar Änderungen machen, die Motoren verschieben, die Schränke neu arrangieren – es kostet eben nur ein wenig Zeit. Aber der entscheidende Nachteil ist, mit der digitalen Yacht kann man nicht segeln. Also muß man sich irgendwann auf ein finales Design festlegen und dann anfangen, in Aluminium zu Schweißen.

Ein wichtiger Meilenstein

Das ist ein entscheidender Meilenstein beim Bau einer Yacht, da ab sofort jede Änderung richtig viel Geld und noch mehr Zeit kostet. Da muß man sich also schon sehr sicher sein, dass jetzt alles nahezu perfekt ist. Diesen Meilenstein haben wir nun erreicht. Der Aluminiumbau der VOLT beginnt im Juli, der Auftrag wurde erteilt. Das sagt sich einfacher als es tatsächlich ist. Denn leider gibt es in Europa nur ganz wenige Werften, die regelmäßig Segelyachten in Aluminium schweißen und daher auch die notwendige Erfahrung haben.

Bild: Rumpf mit Spanten und Stringern von Innen

Problematisch ist die Verformung des Aluminiums beim Schweißen, da das Metall dabei stark erhitzt wird und sich ausdehnt. Die Kunst des Alu-Yachtbauers ist es nun, einen symmetrischen Rumpf ohne Verformungen und Dellen zu schweißen. Das klappt nur, wenn in der Werft regelmäßig solche Rümpfe gefertigt werden und entsprechende Erfahrung vorhanden ist. In Deutschland ist es beispielsweise nur eine einzige kleine Werft, auf die das zutrifft. Und die hat keine Zeit.

Friesland – das Zentrum holländischen Yachtbaus

Deshalb bin ich in die Niederlande gefahren, genauer gesagt nach Makkum in Friesland. Hier ist das Zentrum des berühmten holländischen Werftbaus. Nirgendwo sonst findet man eine solche Vielfalt an professionellen Betrieben und Zulieferern für den Yachtbau. Ein typisches Yachtzentrum mit angeschlossener Marina erstreckt sich über Kilometer und oft finden sich dort dann bekannte Namen – wie in Makkum zum Beispiel KM Yachtbuilders, Bloemsma oder Hutting Yachts.

Aber nur 30 Minuten außerhalb von Makkum zwischen grünen Wiesen und glücklichen Kühen findet sich eine wahre Perle des Aluminium-Yachtbaus. Bei Jachtbouw Folmer werden seit 35 Jahren hochwertige Aluminiumyachten geschweißt, darunter zum Beispiel die bekannte rote „Marlin“, die schon mal als die „quite possibly the smartest and most capable sailing yacht on the planet“ bezeichnet wurde, „built in aluminium by one of the very best names in the business – Jachtbouw Folmer in Holland“.

Bild: Montagehalle von Außen

Wenn man dann über schmale Straßen und alte Alleen entlang holländischer Grachten bei Folmer ankommt, ist man erstmal wenig beeindruckt. Die Halle könnte auch einen Reparaturbetrieb für Landmaschinen beherbergen. Nichts deutet hier auf schicke Yachten hin. Aber das ändert sich sofort, sobald man die Halle betritt. Hier entstehen aus digitalen Träumen echte Yachten.

Bild: Montagehalle bei Yachtbouw Folmer

Beim Meeting mit Andries, dem Inhaber und Gründer der Werft wurde schnell klar, wir kommen nicht nur gut miteinander aus, sondern es stimmt auch der Preis und – ganz wichtig – er hat freie Kapazitäten und kann schon im Juli mit dem Bau beginnen! Also habe ich gleich Nägel mit Köpfen gemacht und den Auftrag per Handschlag besiegelt. Verträge basierend auf gegenseitigem Vertrauen sind heute selten geworden, umso mehr gefällt mir die Zusammenarbeit mit Andries. Das sind schonmal gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Projekt.

Bild: Spanten für ein neues Yachtprojekt

Im Juli beginnt der Bau mit dem Zuschnitt der Spanten. Diese werden vollautomatisch auf CNC-Maschinen mit Lasern in höchster Präzision zugeschnitten, sodaß sich der Arbeitsaufwand erheblich reduziert. Aluminum läßt sich auch schneller schweißen als Stahl, sodaß sich die Mehrkosten beim Material dadurch wieder ausgleichen lassen. Letztendlich kostet eine individuelle Aluminumyacht auch nicht mehr als jede Premium-Serienyacht – aber es ist eben Aluminium und kein GFK.

Bald auch auf YouTube…

Sobald der Rumpfbau beginnt, haben wir auch Material für unseren YouTube-Channel und werden dann regelmäßige Videos vom Bau veröffentlichen. Wer am Aluminium-Yachtbau interessiert ist, der wird dort eine Fülle von wertvollen Informationen vorfinden. Also nicht vergessen, unseren Channel zu abonnieren.

Der Rumpfbau wird voraussichtlich 3-4 Monate dauern und ist spätestens im Dezember abgeschlossen. Der Ausbau der Yacht beginnt dann frühestens im Januar 2019 und wird etwa 5-6 Monate dauern. Wir rechnen also mit einem Stapellauf der VOLT in 2019.

Kommentare sind geschlossen.