Wir legen los – die VOLT wird gebaut! (Teil 2: Ausbau)

von Hendrik Heimer / am 02.03.2019 / in Allgemein

Es geht weiter mit dem Bau unserer Viator Explorer 42 DS. In Teil 1 haben wir den Rumpfbau dokumentiert und nun zeigen wir den Ausbau der VOLT. Wir werden daher den Blogbeitrag in den nächsten Monaten je nach Baufortschritt um neue Fotos ergänzen.

Es ist nicht unüblich im Aluminium-Yachtbau, dass man den Rumpf in einer spezialisierten Werft schweißen und den Ausbau dann in einer zweiten Werft machen lässt. Es sind oft kleine Betriebe, die sich auf einen Bereich spezialisiert haben. Eine Ausnahme sind natürlich die größeren Werften wie KM in Makkum, die wir 2018 am Tag der offenen Tür besucht haben (ein Video gibt es auf unserem YouTube-Channel). Aber dort zahlt man auch einen satten Aufpreis, also lohnt es sich, mit kleinen Betrieben zu arbeiten – was allerdings viel mehr Zeitaufwand bedeutet, da man sich um jedes Detail selbst kümmern muss. Das Projektmanagement für so ein komplexes Projekt mit zahlreichen Gewerken sollte man beherrschen, sonst endet der Yachtbau im Chaos. Dann nimmt man sich lieber einen externen Projektmanager wie Viator Marine, der den Bau überwacht und die Gewerke koordiniert.

Das Schleifen des Rumpfes

Über den Jahreswechsel gab es eine kleine Verzögerung, da wir nicht sofort den Rumpf schleifen lassen konnten. Der Rumpf sollte ein schönes gleichmäßiges Finish erhalten und mußte dazu komplett geschliffen werden. Noch waren ja die groben Schleifspuren zu sehen, mit denen er aus der Werft kam. Leider hatte der Betrieb keine freien Kapazitäten, sodass wir damit erst im Februar starten konnten. Aber nun ist der Rumpf fast fertig, und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Besonders deutlich wird der Vergleich „vorher-nachher“ am Bug. Links sind noch die Schleifspuren zu sehen, rechts haben wir ein perfektes Finish. Der optische Eindruck ist bei einer Yacht immer extrem wichtig, sie muss in jeder Hinsicht perfekt sein. Aluminium ist da aber kein einfacher Werkstoff, wie ein Vergleich zeigt.

Bei diesen Yachten – zufällig auch Berckemeyer-Designs, die ich am Tag der offenen Tür bei KM fotografiert hatte – wurde nur oberflächlich geschliffen, vermutlich um Arbeitsstunden zu sparen. Die Schleifspuren der Werft sind beim hinteren Schiff noch deutlich zu sehen. Der vordere Rumpf ist sehr ungleichmäßig geschliffen. Es sind aber diese kleinen Unterschiede, die am Ende eine wirklich hochwertige Yacht ausmachen.

Die Arbeit ist ein echter Knochenjob, der zum Glück gut bezahlt wird. Von mir. Meine Recheneinheit beim Bau der VOLT ist inzwischen ein Mittelklasse-PKW. Ruderanlage? Ein PKW. Schleifen? Noch ein PKW. Carbon-Mast? Ein Porsche. Am Ende hätte man also eine ganze Fahrzeugflotte vor dem Haus stehen und könnte eine Autovermietung aufmachen. Wer an der Stelle jetzt ins Grübeln gerät, ob er das dann nicht machen sollte, der sollte besser keine Yacht bauen. Hier braucht es pure Leidenschaft, sonst wird man mit so einem Projekt nicht glücklich.

Das Deck, Cockpit und Decksalon sind auch schon fertig. Aber alles ist von einer dicken Schicht Aluminiumstaub bedeckt, der so rutschig wie eine Eisbahn ist. Daher ist größte Vorsicht angesagt, wenn man sich an Deck bewegt. Der Blick ist übrigens vom Steuerstand aus aufgenommen. Ab Juli gibt es diesen Blick dann hoffentlich mit viel Wasser und ohne Hallenwände.

So langsam trudeln auch die Pakete für den Ausbau der VOLT ein. Aus Italien kam der 10KW-Generator von MASE und Tom Logisch schickte uns einen Schenker-Wassermacher, der später mal jede Stunde 60 Liter sauberes Trinkwasser produzieren wird. Natürlich ganz nachhaltig mit Solarstrom von SOLBIAN erzeugt.

Die Bellmarine-Elektromotoren DriveMaster Ultimate 10 sind auch schon da. Jetzt müssen wir nur noch alles einbauen.

Die Detailplanung

Der Ausbau einer Yacht erfordert jede Menge Detailplanung, da es unglaublich viele Systeme zu integrieren gibt – von der Elektrik mit 12V-, 24V-, 48V- und 230V-Netzen, Wasser und Abwasser bis hin zur Ausrüstung für Kommunikation und Navigation. Und alles muß natürlich seefest konstruiert werden.

Bei aller Planung ist es aber manchmal am einfachsten, etwas direkt am Objekt auszuprobieren. Am Steuerstand haben wir zum Beispiel recht wenig Platz, da wir nur eine sehr schmale Konsole wollten. Außerdem gibt es einen umlaufenden Haltegriff. Aber nun gilt es die richtige Position des Fahrhebels für die beiden Motoren zu ermitteln. Von Sailectron kam deshalb eine Schablone im Maßstab 1:1, die wir auf den Steuerstand legen konnten.

Die ursprünglich vorgesehene Position würde kein „Vollgas“ mehr erlauben, weil die Fahrhebel am Haltegriff anstossen würden. Also werden wir ihn weiter hinten montieren müssen.

Für die Sanitärinstallation haben wir auch schon ein Konzept erstellt. Wir haben 2x 200 Liter Wassertanks an Bord der VOLT. Bei einem Wassermacher, der 60 Liter in der Stunde produzieren kann, wären größere Tanks auch nicht sinnvoll. Wir planen ein vollständig geschlossenes System. Das Abwasser aus Spüle, Dusche oder Waschmaschine fließt in einen kleinen Grauwassertank und wird von dort in den zentralen Abwassertank gepumpt. Die elektrische Toilette wird mit Frischwasser gespült und das Abwasser wird ebenfalls direkt in den zentralen Tank gepumpt. Von dort aus kann das Abwasser dann über ein Deckventil (Rutgerson) abgepumpt werden oder es fließt über ein Seeventil ins Meer. Entscheidend ist aber, dass wir das Boot komplett dicht machen können, wenn wir z.B. in einer Badebucht oder Naturschutzgebiet ankern. Dann geht nichts über Bord.

Hier der Grauwassertank, von dem wir dann das Abwasser in den zentralen Abwassertank pumpen. Als „Grauwasser“ wird auf Yachten das leicht verschmutzte Abwasser aus der Spüle oder Dusche bezeichnet, wohingegen Fäkalien als „Schwarzwasser“ bezeichnet werden. Die „Gulper“-Pumpen von Whale sind dafür ideal, da sie ungefiltert alles pumpen, was sich im Abwasser befindet – egal ob Essensreste oder Haare. Die meisten Pumpen reagieren da sehr empfindlich und benötigen einen Vorfilter, der dann recht schnell verstopft ist.

Jeder durch Schotten abgetrennte Bereich benötigt eine eigene Bilgenpumpe, um bei einem möglichen Wassereinbruch leergepumpt werden zu können. Auf den meisten Serienyachten sind die Bilgenpumpen völlig unterdimensioniert und versagen selbst bei kleinen Lecks. Wir haben deshalb darauf geachtet, die Bilgenpumpen ausreichend leistungsfähig zu machen. Die beiden Pumpen im Wohnbereich können 15.900 Liter Wasser in der Stunde auspumpen, das sind immerhin fast 16 Kubikmeter Wasser! Aber Bilgenpumpen sind nicht nur für ein Leck wichtig, es kann auch andere Gründe für Wasser im Boot geben. So kann eine Wasserleitung im Boot undicht werden und auslaufen oder eine Luke steht offen und es regnet ins Boot. Oder bei offener Tür steigt eine Welle ins Cockpit ein und flutet den Salon. Das ist alles schon vorgekommen und dann müssen die Bilgenpumpen das eingedrungene Wasser schnell wieder nach Draußen befördern.

Über die Beleuchtung an Bord haben wir uns auch schon viele Gedanken gemacht. Zum einen soll sie funktional sein, zum anderen trägt sie aber auch erheblich zur Wohnlichkeit bei. Wenn man an Bord leben möchte, dann muß es auch gemütlich sein. Bei den Leuchten setzen wir weitgehend auf Prebit, da hier nicht nur die Qualität stimmt, sondern die Leuchten auch mit eigener Elektronik „intelligent“ sind. So kann man ganze Gruppen von Leuchten gemeinsam schalten und dimmen. Oder es gibt Leuchten, die man nachts mit einem Doppelklick auf den Lichtschalter auf Rotlicht umschalten kann. Und die Leuchten merken sich die letzte Einstellung. Wenn man also Rotlicht hatte und wieder das Licht einschaltet, dann kommt auch wieder Rotlicht.  Sehr praktisch ist dabei auch der USB-Charger in den Leselampen, die wir an den Kojen installieren. Da spart man sich separate USB-Steckdosen.

Die nächsten Schritte beim Ausbau sind nun die Verlegung der Stromkabel und Wasserleitungen im Boot und die Isolierung. Da werden wir wieder mit vielen Fotos berichten und diesen Blogbeitrag ergänzen.

 

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