Wir legen los – die VOLT wird gebaut! (Teil 2: Ausbau)

von Hendrik Heimer am 02.03.2019 / in Allgemein

Es geht weiter mit dem Bau unserer Viator Explorer 42 DS. In Teil 1 haben wir den Rumpfbau dokumentiert und nun zeigen wir den Ausbau der VOLT. Wir werden daher den Blogbeitrag in den nächsten Monaten je nach Baufortschritt um neue Fotos ergänzen.

Es ist nicht unüblich im Aluminium-Yachtbau, dass man den Rumpf in einer spezialisierten Werft schweißen und den Ausbau dann in einer zweiten Werft machen lässt. Es sind oft kleine Betriebe, die sich auf einen Bereich spezialisiert haben. Eine Ausnahme sind natürlich die größeren Werften wie KM in Makkum, die wir 2018 am Tag der offenen Tür besucht haben (ein Video gibt es auf unserem YouTube-Channel). Aber dort zahlt man auch einen satten Aufpreis, also lohnt es sich, mit kleinen Betrieben zu arbeiten – was allerdings viel mehr Zeitaufwand bedeutet, da man sich um jedes Detail selbst kümmern muss. Das Projektmanagement für so ein komplexes Projekt mit zahlreichen Gewerken sollte man beherrschen, sonst endet der Yachtbau im Chaos. Dann nimmt man sich lieber einen externen Projektmanager wie Viator Marine, der den Bau überwacht und die Gewerke koordiniert.

Das Schleifen des Rumpfes

Über den Jahreswechsel gab es eine kleine Verzögerung, da wir nicht sofort den Rumpf schleifen lassen konnten. Der Rumpf sollte ein schönes gleichmäßiges Finish erhalten und mußte dazu komplett geschliffen werden. Noch waren ja die groben Schleifspuren zu sehen, mit denen er aus der Werft kam. Leider hatte der Betrieb keine freien Kapazitäten, sodass wir damit erst im Februar starten konnten. Aber nun ist der Rumpf fast fertig, und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Besonders deutlich wird der Vergleich „vorher-nachher“ am Bug. Links sind noch die Schleifspuren zu sehen, rechts haben wir ein perfektes Finish. Der optische Eindruck ist bei einer Yacht immer extrem wichtig, sie muss in jeder Hinsicht perfekt sein. Aluminium ist da aber kein einfacher Werkstoff, wie ein Vergleich zeigt.

Bei diesen Yachten – zufällig auch Berckemeyer-Designs, die ich am Tag der offenen Tür bei KM fotografiert hatte – wurde nur oberflächlich geschliffen, vermutlich um Arbeitsstunden zu sparen. Die Schleifspuren der Werft sind beim hinteren Schiff noch deutlich zu sehen. Der vordere Rumpf ist sehr ungleichmäßig geschliffen. Es sind aber diese kleinen Unterschiede, die am Ende eine wirklich hochwertige Yacht ausmachen.

Die Arbeit ist ein echter Knochenjob, der zum Glück gut bezahlt wird. Von mir. Meine Recheneinheit beim Bau der VOLT ist inzwischen ein Mittelklasse-PKW. Ruderanlage? Ein PKW. Schleifen? Noch ein PKW. Carbon-Mast? Ein Porsche. Am Ende hätte man also eine ganze Fahrzeugflotte vor dem Haus stehen und könnte eine Autovermietung aufmachen. Wer an der Stelle jetzt ins Grübeln gerät, ob er das dann nicht machen sollte, der sollte besser keine Yacht bauen. Hier braucht es pure Leidenschaft, sonst wird man mit so einem Projekt nicht glücklich.

Das Deck, Cockpit und Decksalon sind auch schon fertig. Aber alles ist von einer dicken Schicht Aluminiumstaub bedeckt, der so rutschig wie eine Eisbahn ist. Daher ist größte Vorsicht angesagt, wenn man sich an Deck bewegt. Der Blick ist übrigens vom Steuerstand aus aufgenommen. Ab Juli gibt es diesen Blick dann hoffentlich mit viel Wasser und ohne Hallenwände.

In der Ausbauwerft

Nach dem Schleifen kam der Rumpf in die Ausbauwerft, wo die VOLT komplett fertiggestellt werden wird. Wenn alles nach Plan verläuft, ist die nächste Station dann der Travellift, der die VOLT dann ins Wasser setzen wird.

So langsam trudeln auch die Pakete für den Ausbau der VOLT ein. Aus Italien kam der 10KW-Generator von MASE und Tom Logisch schickte uns einen Schenker-Wassermacher, der später mal jede Stunde 60 Liter sauberes Trinkwasser produzieren wird. Natürlich ganz nachhaltig mit Solarstrom von SOLBIAN erzeugt.

Die Bellmarine-Elektromotoren DriveMaster Ultimate 10 sind auch schon da. Jetzt müssen wir nur noch alles einbauen.

Die Detailplanung

Der Ausbau einer Yacht erfordert jede Menge Detailplanung, da es unglaublich viele Systeme zu integrieren gibt – von der Elektrik mit 12V-, 24V-, 48V- und 230V-Netzen, Wasser und Abwasser bis hin zur Ausrüstung für Kommunikation und Navigation. Und alles muß natürlich seefest konstruiert werden.

Bei aller Planung ist es aber manchmal am einfachsten, etwas direkt am Objekt auszuprobieren. Am Steuerstand haben wir zum Beispiel recht wenig Platz, da wir nur eine sehr schmale Konsole wollten. Außerdem gibt es einen umlaufenden Haltegriff. Aber nun gilt es die richtige Position des Fahrhebels für die beiden Motoren zu ermitteln. Von Sailectron kam deshalb eine Schablone im Maßstab 1:1, die wir auf den Steuerstand legen konnten.

Die ursprünglich vorgesehene Position würde kein „Vollgas“ mehr erlauben, weil die Fahrhebel am Haltegriff anstossen würden. Also werden wir ihn weiter hinten montieren müssen. Letztendlich wird es notwendig sein, die unnötig langen Hebel zu kürzen. Was aber kein Problem darstellt.

Für die Sanitärinstallation haben wir auch schon ein Konzept erstellt. Wir haben 2x 200 Liter Wassertanks an Bord der VOLT. Bei einem Wassermacher, der 60 Liter in der Stunde produzieren kann, wären größere Tanks auch nicht sinnvoll. Wir planen ein vollständig geschlossenes System. Das Abwasser aus Spüle, Dusche oder Waschmaschine fließt in einen kleinen Grauwassertank und wird von dort in den zentralen Abwassertank gepumpt. Die elektrische Toilette wird mit Frischwasser gespült und das Abwasser wird ebenfalls direkt in den zentralen Tank gepumpt. Von dort aus kann das Abwasser dann über ein Deckventil (Rutgerson) abgepumpt werden oder es fließt über ein Seeventil ins Meer. Entscheidend ist aber, dass wir das Boot komplett dicht machen können, wenn wir z.B. in einer Badebucht oder Naturschutzgebiet ankern. Dann geht nichts über Bord.

Hier der Grauwassertank, von dem wir dann das Abwasser in den zentralen Abwassertank pumpen. Als „Grauwasser“ wird auf Yachten das leicht verschmutzte Abwasser aus der Spüle oder Dusche bezeichnet, wohingegen Fäkalien als „Schwarzwasser“ bezeichnet werden. Die „Gulper“-Pumpen von Whale sind dafür ideal, da sie ungefiltert alles pumpen, was sich im Abwasser befindet – egal ob Essensreste oder Haare. Die meisten Pumpen reagieren da sehr empfindlich und benötigen einen Vorfilter, der dann recht schnell verstopft ist.

Jeder durch Schotten abgetrennte Bereich benötigt eine eigene Bilgenpumpe, um bei einem möglichen Wassereinbruch leergepumpt werden zu können. Auf den meisten Serienyachten sind die Bilgenpumpen völlig unterdimensioniert und versagen selbst bei kleinen Lecks. Wir haben deshalb darauf geachtet, die Bilgenpumpen ausreichend leistungsfähig zu machen. Die beiden Pumpen im Wohnbereich können 15.900 Liter Wasser in der Stunde auspumpen, das sind immerhin fast 16 Kubikmeter Wasser! Aber Bilgenpumpen sind nicht nur für ein Leck wichtig, es kann auch andere Gründe für Wasser im Boot geben. So kann eine Wasserleitung im Boot undicht werden und auslaufen oder eine Luke steht offen und es regnet ins Boot. Oder bei offener Tür steigt eine Welle ins Cockpit ein und flutet den Salon. Das ist alles schon vorgekommen und dann müssen die Bilgenpumpen das eingedrungene Wasser schnell wieder nach Draußen befördern.

Über die Beleuchtung an Bord haben wir uns auch schon viele Gedanken gemacht. Zum einen soll sie funktional sein, zum anderen trägt sie aber auch erheblich zur Wohnlichkeit bei. Wenn man an Bord leben möchte, dann muß es auch gemütlich sein. Bei den Leuchten setzen wir weitgehend auf Prebit, da hier nicht nur die Qualität stimmt, sondern die Leuchten auch mit eigener Elektronik „intelligent“ sind. So kann man ganze Gruppen von Leuchten gemeinsam schalten und dimmen. Oder es gibt Leuchten, die man nachts mit einem Doppelklick auf den Lichtschalter auf Rotlicht umschalten kann. Und die Leuchten merken sich die letzte Einstellung. Wenn man also Rotlicht hatte und wieder das Licht einschaltet, dann kommt auch wieder Rotlicht.  Sehr praktisch ist dabei auch der USB-Charger in den Leselampen, die wir an den Kojen installieren. Da spart man sich separate USB-Steckdosen.

Neben einer guten Isolierung braucht es für eine Yacht, mit der man ganzjährig in der Ostsee oder sogar weiter nördlich fahren möchte auch eine gute Heizung. Wir hatten uns ja bereits früher im Blog viele Gedanken zur optimalen Heizung gemacht. Wir hatten dabei vor allem die Idee einer Carbon-Elektroheizung entwickelt. Aber bei der weiteren Planung stellten sich dann schnell zwei Nachteile heraus: 1) eine Carbonheizung löst nicht das Problem der Feuchtigkeit an Bord und 2) der Energieverbrauch ist einfach zu hoch, um damit das ganze Schiff über lange Zeiträume zu heizen.

Feuchtigkeit ist ein ganz zentrales Problem an Bord einer Yacht. Ein Luftaustausch ist oft nur über kleine Lüfter gegeben, sodaß sich vor allem im Winter sehr schnell die Feuchtigkeit im Boot ansammelt. Diese schlägt sich dann an allen kalten Oberflächen wie z.B. den Luken oder schlecht isolierten Wänden nieder und kondensiert. Mit der Zeit ist dann bald alles feucht und muffig an Bord oder fängt sogar zu schimmeln an. So entsteht ganz sicher keine wohnliche Atmosphäre.

Dieses Problem löst die altbekannte Dieselheizung auf sehr einfache Weise. Sie saugt ständig kalte Aussenluft an, um diese dann in der Brennkammer zu erhitzen. Kalte Luft ist aber trockene Luft, da sie nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann. Es wird dann also immer warme und sehr trockene Luft in den Innenraum geblasen, die dann die Feuchtigkeit aufnehmen und nach Aussen transportieren kann. So bleibt das Boot Innen trocken. Außerdem könnten wir mit den 500 Litern unserer zwei Dieseltanks mehrere Monate durchheizen.

Deshalb haben wir uns letztendlich doch für eine Dieselheizung entschieden. Yachtbau besteht eben immer aus Kompromissen. Aber so ganz wollen wir auf die Carbonheizung nicht verzichten. Wir werden sie in eine Vinyl-Fußmatte einbauen, die wir dann an einen 24V-Stecker im Bad anschließen können. So haben wir die perfekte Fußbodenheizung für die Übergangszeit. Außerdem haben wir im Bad noch eine Elektro-Handtuchheizung. Ein wenig Luxus muß sein. Die Skizze zeigt den schematischen Verlauf der Luftkanäle und Auslassventile. Die Planar 44D Dieselheizung selbst ist im Lagerraum untergebracht, sodaß sie im Betrieb auch nicht stört.

Ein kleines Gimmick an Bord der VOLT sind die 5 fest installierten IP-Kameras. Da wir auf unserem YouTube-Kanal regelmäßig Segelvideos veröffentlichen wollen, vereinfachen die Kameras die Aufnahme schöner Szenen – vor allem Einhand oder mit kleiner Crew. Dann muß niemand erst eine Gopro hervorkramen und an die Reling schrauben, sondern man muß nur in der Videoserver-App die Kamera starten. Das Video wird auch gleich auf einem bordinternen NAS mit 4 TB SSD gespeichert und kann dann verarbeitet werden.

Zwei Kameras sind auf dem Geräteträger für Aufnahmen nach vorne angebracht, eine im Cockpit für den Blick nach achtern, eine Kamera im Salon mit 360-Grad Rundumblick und eine PTZ-Kamera hoch oben im Masttop. PTZ steht für Pan-Tilt-Zoom, also eine Kamera, die drehen und schwenken kann und auch über einen optischen Zoom verfügt. Insbesondere die Masttop-Kamera klingt sehr vielversprechend, da sie aus der Vogelperspektive filmen kann und fast schon eine Drohne ersetzt. Ob es sich dann auch so in der Praxis bewährt, werden wir sehen.

Alle Kameras verfügen über Nachtsicht, können also auch mit einer begrenzten Reichweite bei Dunkelheit verwendet werden. Und natürlich dienen sie auch der Sicherheit, da man mittels der App auf dem Smartphone – Internetverbindung mal vorausgesetzt – jederzeit ein Bild vom Boot bekommt, wenn man nicht an Bord ist.

Für die Detailplanung haben wir gut ein dutzend verschiende Skizzen, damit der Ausbauer dann unsere Ideen besser umsetzen kann.

Das Interior-Design der VOLT

Bevor man mit dem Ausbau beginnt, sollte man sich im Detail Gedanken zu den Farben und Materialien machen. Interior Design auf Yachten beschränkt sich meist auf eine Holzart, in der dann das ganze Boot innen ausgebaut wird. Das mögen manche als „schiffig“ bezeichnen, aber es ist einfach nur schlechtes Interior Design, ohne jede Finesse. Die VOLT ist eine moderne Yacht und das sollte sich auch im Design widerspiegeln. Ein traditionelles Design kam also nicht in Frage. Aber es sollte auch keine kalte Arztpraxis werden, sondern eine sehr wohnliche Atmospäre ausstrahlen. Schließlich wird man ja viele Jahre an Bord verbringen und muß sich wohlfühlen.

Das klassische Yachtdesign beschränkt sich auf Holz, sehr viel Holz – hier am Beispiel einer Hallberg Rassy 42. Dazu kleine Luken, die kaum Tageslicht nach Innen lassen. Das war eben der Geschmack von vor 20 Jahren, aber heute bezeichnet man so ein Design als „Mahagonihöhlen“ oder „Kellerschiffe“. Echtes Holz ist ja nicht grundsätzlich verkehrt, aber es sollte eben nur als Designelement eingesetzt werden.

Heute definieren helle Farben, viel Licht und moderne Materialien den Wohnbereich einer Yacht. Nicht von ungefähr habe ich als Beispiel eine Fountaine Pajot 45 ausgewählt, also einen Katamaran. Wir haben uns beim Entwurf der VOLT ja durchaus von Katamaranen inspirieren lassen. Den Decksalon der VOLT mit seinem 360-Grad Rundumblick haben wir vom Katamaran übernommen. Auf Langfahrt segelt man nur zu 20%, aber 80% liegt man vor Anker oder in einem Hafen. Da möchte man nicht in einem Keller ohne Blick nach Aussen sitzen, wenn man mit seinem Boot an den schönsten Orten dieser Welt ankert.

Wir haben ein Farbschema aus verschiedenen Blau- und Grautönen ausgewählt, die sehr schön die Farbtöne des Wassers widerspiegeln. Die Darstellung hier im Blog wird allerdings nicht farbecht sein, daher gibt das nur einen ungefähren Eindruck.

Auf Massivholz wollten wir eigentlich komplett verzichten. Moderne Materialien und Oberflächen bieten einfach zuviele Vorteile – insbesondere beim Gewicht und beim Pflegeaufwand. Aber unsere Interior-Designerin von Viator Art meinte, wir brauchen für die Wohnatmosphäre ein Stück echtes Holz an Bord. Der Salontisch sollte es werden, schönes massives Holz, 40mm dick.

Also haben wir uns ein paar Proben kommen lassen, darunter Eiche (oben links), Akazie (unten links), amerikanischer Nussbaum (oben rechts) und europäischer Nussbaum (unten rechts).

Wir waren uns sofort einig, es wird der amerikanische Nussbaum. Die geschliffene und geölte Oberfläche fühlt sich ungeheuer wertig an und hat einen sanften Glanz. Das Farbspiel ist unglaublich, wenn man die Beleuchtung variiert. Der Salontisch wird ein echtes Schmuckstück.

Mit den ganzen Detailplänen und den Richtlinien für das Interior Design kann der Ausbau nun starten.

Die Isolierung

Wir hatten es kurz beim Thema „Heizung“ erwähnt: die Isolierung einer Yacht ist extrem wichtig. Auf einer Yacht lebt man ein einer wasser- und (weitgehend) luftdichten Aluminiumhülle. Die Herausforderung im Yachtbau ist es also, trotzdem ein angenehmes Raumklima zu erzeugen. Der menschliche Körper verliert allein über die Atmung – ohne zu schwitzen – etwa 1 Liter Wasser täglich. Dazu wird an Bord gekocht und viel Wasserdampf erzeugt. Die Luft wird also ständig mit Feuchtigkeit angereichert.

Im Sommer ist das weniger ein Problem, da die Luken offen sind und man einfach lüften kann. Die warme Luft kann außerdem viel Feuchtigkeit aufnehmen. Aber im Winter ist die Bordwand eiskalt und die feuchte Innenluft kühlt sich dort schnell ab. Sobald der Taupunkt erreicht ist, bilden sich kleine Tröpfchen und die Innenwand wird feucht. Schlecht isolierte Boote verwandeln sich dann schnell in eine „Tropfsteinhöhle“. Ich kannte das an Bord der SY VIATOR, als ich auf Korfu überwinterte.  Da tropfte es schonmal von der Decke und morgens war alles feucht und klamm. Ein gutes Raumklima fühlt sich anders an.

Daher benötigt man eine dicke Isolierung, die auch bei kalten Aussentemperaturen garantiert, dass der Taupunkt immer in der Isolierung liegt und niemals auf der Innenseite im Schiff. Nur so kann verhindert werden, dass sich Feuchtigkeit bildet und daraus dann irgendwann Schimmel entsteht – der Albtraum an Bord einer Yacht.

Die Isolierung aus sehr feinporigem PU-Schaum ist bis zu 70mm dick. Wir haben uns für den Schaum entschieden, da er wirklich jede Ritze zwischen Spanten und Stringern ausfüllt und es keine Kältebrücken gibt. Außerdem ist die komplette Isolierung in wenigen Stunden erledigt, wohingegen eine Isolierung mit Schaumstoffplatten (wie Armaflex) über eine Woche Arbeit bedeutet hätte, da jede Platte mühsam zugeschnitten werden muß. Wir verwenden Armaflex nur noch zur Isolierung der Spanten, die vom Schaum nicht bedeckt sind (die schwarzen Streifen an der Decke).

In Holland werden Yachten meistens mit PU-Schaum isoliert, so z.B. auch bei KM in Makkum, die wir ja 2018 am Tag der offenen Tür besucht haben (der Link führt zum Video). Da KM den Maßstab für hochwertigen Aluminiumbau setzt, kann man ja von den Besten lernen.

Der Ausbau

Nach der Isolierung kann endlich der Ausbau beginnen. Das ist der aufwändigste Teil beim Bau einer Yacht – von den Kosten wie auch vom zeitlichen Rahmen her. Der Ausbau ist ein extrem interativer Prozess, da alles auf Maß gefertigt werden muß. Oft stellt sich dann heraus, dass die Planung so nicht umgesetzt werden kann und man muß wieder Kompromisse schließen. Daher braucht man sehr erfahrene Bootsbauer, die auch ganz eigenständig gute Lösungen finden, die sich dann auf See bewähren.

Ein kleines Beispiel sieht man im Foto oben, das die Isolierung zeigt. Im Boden sieht man einen runden Inspektionsdeckel der Dieseltanks. Eigentlich sollte dieser Deckel bündig mit versenkten Schrauben befestigt werden, aber der Rumpfbauer hat andere Schrauben verwendet. Das kostet uns einen wertvollen Zentimeter an der Stehhöhe im Vorschiff, also haben wir die Pläne ändern müssen, und die Bodenplatte um die Inspektionsdeckel herum ausgeschnitten. Bei dieser Yachtgröße muß man im Ausbau wirklich mit jedem Zentimeter kalkulieren.

Die vier Fotos zeigen den Fortschritt beim Ausbau der Vorschiffskabine. Vom leeren Alurumpf über die Isolierung und den Unterbau bis hin zum (fast) fertigen Ausbau.

Für die Beschläge haben wir lange suchen müssen. Es gibt da überraschend wenig Auswahl. Meine Besuche bei den „Premiummarken“ auf den Bootsmessen haben ergeben, dass auch Hallberg Rassy, Solaris oder X-Yachts alle beim gleichen Lieferanten einkaufen, der so ungefähr 5 unterschiedliche Öffner im Angebot hat. Die üblichen Druckknöpfe wollten wir aber nicht einbauen, da sie etwas umständlich sind. Wir haben dann diese Griffe im Caravan-Zubehör gefunden.

Unter der Sitzbank haben wir noch einen Stauraum für Schuhe eingebaut. Dann ist alles aufgeräumt.

Ein Blick in das spätere Badezimmer. Die Dusche hat schon ihre Wandverkleidung im Naturstein-Design. Rechts unter das Fenster kommt dann der Waschtisch, der auf einem späteren Foto zu sehen ist.

Die Fensterrahmen sind auch schon installiert. Sie müssen vor dem Ausschäumen des Rumpfes eingebaut werden, damit es später keine Kältebrücken gibt.

Jeder Tank braucht eine Entlüftung zum Druckausgleich. Die Frischwassertanks werden unter das Cockpit-Dach entlüftet.

Die Entlüftung für die Dieseltanks erfolgt über eine Öffnung unter dem Dachvorsprung nach vorne. Der Schlauch wird in den Dachstreben nach unten zu den Dieseltanks geführt.

Die Pantry wurde schon provisorisch mit Panzertape „eingebaut“, um eine bessere Vorstellung von den Abmessungen zu bekommen. Links neben dem Niedergang sieht man unseren „Wet Locker“, also den beheizbaren Schrank für die nasse Segelkleidung. Der Schrank bekommt eine wasserdichte Wanne, damit die Nässe schön abtropfen kann. Außerdem kann man Warmluft über die Dieselheizung hineinpusten, damit die Sachen schneller trocknen. Bei schlechtem Wetter oder Kälte sammelt sich sonst schnell Feuchtigkeit im Boot und die nassen Sachen fangen an zu „müffeln“.

In die Nische links neben dem Schrank kommt übrigens unser Kaffeevollautomat von DeLonghi hin. Ein sehr wichtiger Ausrüstungsgegenstand für das Wohlbefinden an Bord.

Einen „Wet Locker“ findet man sonst nur auf größeren Yachten, hier auf einer Hallberg Rassy 57. Aber er erscheint er etwas zu klein geraten, um die Segelkleidung der ganzen Crew dort aufhängen zu können.

Gegenüber von der Pantry – also an Backbord – kommt später die erhöhte Sitzgruppe mit Esstisch und besstem 360-Grad Blick nach Aussen hin. Aber hinter der Sitzbank ist noch jede Menge Platz und dort montieren wir die ganze Elektrik. Da hat man auch später einen einfachen Zugang, falls es etwas zu reparieren gibt oder mal eine Sicherung rausfliegt.

Im Bad hat sich viel getan, der Waschtisch ist fast fertig. Links geht es in die Dusche und in der Nische zur Bordwand wird dann der Schwarzwassertank und die Waschmaschine installiert. Unter die Waschmaschine kommt noch ein praktisches Detail: ein Wäschesammler für Schmutzwäsche.

Die Gebo-Luken sind bereits eingesetzt und müssen nur noch angeschraubt werden. Im Gegensatz zu den heute üblichen „Flushdeck-Luken“ sind diese Luken mit ihrer weit überstehenden Dichtung noch für den Offshore-Einsatz gebaut.

Die Fliegengitter- und Sichtschutz-Rollos sind installiert. Heute ist das ja auf den meisten Yachten Standard, aber auf unserer alten Beneteau 57 hatten wir das noch nicht. Die Mosquito-Jagd war dann ein abendliches Ritual, auf das wir in Zukunft gerne verzichten.

Von Kohlhoff kam eine Palette mit der gesamten Decksausrüstung. Darunter befanden sich auch die Winschkurbeln, sodaß wir erstmals unsere Rollen für die Landleinen und den Heckanker testen konnten. Bilder dazu findest Du im Blogbeitrag zum Rumpfbau. Jedenfalls können wir damit den Heckanker (an Steuerbord) oder die 100m Landleine (an Backbord) mit Hilfe der Kurbel leicht einholen.

In der Lieferung befand sich auch die 1500W Lofrans Ankerwinsch. Dazu gibt es dann 100m Ankerkette (8mm) und einen Kobra 2 Anker (20kg).

Der Geräteträger ist nun auch geschliffen und wir haben noch ein paar kleine Verbesserungen anschweißen lassen – zum Beispiel ein Auge für die Leinenumlenung der Talje oder eine Stange, an der später das Bimini befestigt werden kann. Jetzt fehlt nur noch der 1m hohe Mast für das Radar.

Weiter oben hatten wir unser Konzept mit den fest installierten Videokameras erklärt, um damit dann bessere Segelvideos aufnehmen zu können und die Navigation zu unterstützen. Die Kamera im Masttop zum Beispiel bietet aus 20 Metern Höhe einen perfekten Ausguck, um Riffpassagen, Untiefen, Korallenköpfe oder auch Treibeis zu erkennen.

Leider können die B&G Plotter (im Gegensatz zu Raymarine) keine Videobilder von IP-Kameras anzeigen. Wir haben deshalb am Bord-PC eine Videoserver-Software, um von dort aus die Kameras zu steuern.

Allerdings wäre eine Anzeige am Steuerstand auch ganz nützlich. Dafür haben wir nun ein Samsung Tab Active 2 vorgesehen, das nach IP68 wasserdicht ist und keine Schutzhülle benötigt. Die Halterung kommt von RAM Mounts und sitzt bombenfest an der Haltestange.

Sobald wir also die Videokameras benötigen, können wir das Tablet am Steuerstand mit wenigen Handgriffen montieren.

Mitte Juli 2019 gab es neue Fotos aus der Werft. Die Sitzbank im Salon ist fast fertig, da fehlen nur noch die Polster. Hinter der Rückenlehne wird die ganze Elektrik installiert. Da hat man einen guten Zugang. Rechts sitzt man vor dem Navigationstisch. Unter den Bänken hat man große Schubladen für Seekarten.

Den Stoff für das Sofa haben wir auch schon ausgesucht. Er passt perfekt zu unserem Farbschema für die VOLT, das von Viator Art zusammegestellt wurde.

Das wichtigste Gerät an Bord wurde auch schon eingebaut (über die Tür kommt noch eine Leiste). Die Werft hat meine Idee wirklich sehr gut umgesetzt. Endlich keinen Instant-Kaffee mehr, sondern einen frischen Cappuccino auf Nachtwache. So ein wenig Luxus auf Langfahrt ist wichtig – vor allem, wenn man keine 20 mehr ist.

In das „Loch“ kommt die Spüle, hinten im Eck sitzt der große Kühlschrank mit Zugang von oben.

Da es keinen Induktionsherd für Yachten zu kaufen gibt, mußten wir auf Haushaltsgeräte zurückgreifen. Die halbkardanische Aufhängung für Herd und Backofen muß dann eben noch gebaut werden. Der Backofen ist als „Dampfgarer“ ein echtes Multitalent. Das Rezeptbuch ist sehr umfangreich, da werde ich mal etwas experimentieren. Brotbacken steht auch auf der To-Do Liste.

Mit unserer XBox haben wir ein recht anspruchsvolles Entertainment-System an Bord haben, brauchen wir auch einen guten Lautsprecher. Die üblichen Boxen würden aber die ganze Sicht verdecken. Da passt der Blaupunkt-Soundbar perfekt unter die Decke.

Die beiden Seekojen sind auf See der komfortabelste Schlafplatz an Bord. Da liegt man mit dem Kopf genau im Schwerpunkt der VOLT, was die Schaukelei bei viel Seegang erheblich reduziert.

Im Bad ist die Toilette von Sanimarin installiert. Sie ist extrem leise und auch sehr wassersparend – was wichtig ist, da wir mit Frischwasser spülen.

Der Abwassertank mit über 100 Liter Volumen ist im Bad installiert. Sämtliche Abwässer aus Küche und Bad laufen zuerst einmal in den Tank. Somit wird er durch „Grauwasser“ (Dusche, Spüle, Waschmaschine) nicht nur immer gut gespült, wir können das Boot auch komplett dicht machen, wenn es die Vorschriften (z.B. in Nationalparks) erfordern. Das Seeventil sitzt natürlich auch auf einem Steigrohr über der Wasserlinie.

Jetzt sieht es doch schon viel mehr wie eine Yacht aus. Alle Leinen werden unter Deck nach achtern geführt und liegen dann an der Winsch an. Im großen Leinenkasten unter der Winsch können sie auch gut verstaut werden. Alle Winschen lassen sich ergonomisch optimal im Stehen bedienen und man hat dabei die Segel immer im Blick. Der Zugang zu den Seitendecks ist über die zwei Stufen einfach und sicher. Keine Kletterei über Bänke mehr. Ich frage mich, warum nicht alle Yachten so ein Layout haben.

Die Deckventile von Rutgerson sind ideal, da man sie nur um 90 Grad drehen muß, um sie zu öffnen. Die farbliche Unterscheidung hilft auch sehr, um eine Fehlbetankung zu vermeiden.

Die starke Ankerwinsch (1500 W) wird einmal unsere 100m Ankerkette einholen müssen. Die zweite Ankerrolle kann dann eine Ankerleine aufnehmen, die in die Kette eingehakt wird, um die Ankerwisch zu entlasten.

Im Oktober waren wir wieder in der Werft, um die Fortschritte zu dokumentieren. Eigentlich wollten wir ja schon ab August mit der VOLT im Wasser sein, aber der Elektriker hatte nicht ausreichend Zeit. Fairerweise muß man aber sagen, dass die VOLT als Prototyp natürlich viel aufwändiger als ein Serienbau zu bauen ist. Wir müssen oft die Pläne korrigieren und können uns erst beim Einbau auf eine endgültige Lösung festlegen. Das kostet Zeit.

Die Pantry ist bis auf die Beleuchtung weitgehend fertig. Besonders der Induktionsherd fügt sich sehr harmonisch in das Design ein. Kein Vergleich zu den sonst üblichen hässlichen Gasherden auf Yachten. Eine sehr saubere Arbeit der Werft. Und natürlich ist er halbkardanisch aufgehängt, er kann bei Krängung also schwenken, sodaß die Herdplatte immer waagerecht bleibt. Rechts ist unsere beheizte Garderobe (der „wet locker“) zu sehen. Ganz links sitzt die Spüle (abgedeckt) und dahinter im Eck der Kühlschrank.

Der Kühlschrank ist ein für Yachten ganz typischer Toplader. Dadurch verliert er beim Öffnen keine Kälte.

Mit etwa 70 Litern ist er nicht der Allergrößte, aber wir haben im Lagerraum noch einen separaten Freezer. Bei nur 42 Fuss muß man irgendwo Kompromisse machen.

Die Schubkästen sind sehr tief und bieten eine Menge Platz. Stauraum ist auf einer Fahrtenyacht enorm wichtig, da man ja mit seinem ganzen Hausrat um die Welt segelt. Dazu kommen noch Ersatzteile und Vorräte. Da die Versorgungsmöglichkeiten in vielen Teilen der Welt eher beschränkt sind, hat man oft Vorräte für mehrere Wochen dabei.  Dafür haben wir dann den großen Lagerraum unter dem Cockpit.

Die Größe der Schubkästen ist auch exakt auf unsere Vorratsdosen abgestimmt. Damit können wir den Raum optimal nutzen und wir vermeiden auf See Verpackungsmüll, da alles schon an Land umgefüllt werden kann.

In die Salonmitte kommt noch dieses Schrankelement, an dem dann auch der Salontisch befestigt wird. Es bietet nicht nur weiteren Stauraum, sondern auch festen Halt bei viel Seegang. So kommt man gut ins Vorschiff oder kann sich am Herd abstützen. Damit der Elektriker gut arbeiten kann, haben wir das Mobilar noch nicht fest eingebaut. Es ist aber schon alles fertig.

Dort ist auch der große Mülleimer versteckt.

So, die Jacke hängt schonmal im „Wet Locker“. Damit bin ich jetzt offiziell an Bord eingezogen. Hier ist ausreichend Platz für die ganze Segelkleidung und die Rettungswesten. Der Boden ist wasserdicht, sodaß man da auch die nassen Schuhe abstellen kann.

Unser Kartentisch ist auch echte Maßarbeit und noch ein richtiger Arbeitstisch. Die VOLT ist ja auch mein „Boat Office“ und daher brauche ich Platz zum Arbeiten. Links kommt die Hauptschalttafel an die Wand, vorne dann Funkgerät, Plotter und Monitor. Im Tisch ist übrigens die XBox als zentrales Entertainment-System eingebaut: Games, DVD, Videos oder Netflix. So kann man auch mal einen Regentag an Bord überbrücken.

Die Hauptschalttafel ermöglicht eine gezielte Steuerung aller Systeme an Bord. Zumindest wenn sie keinen eigenen Schalter haben oder versteckt angebracht sind. Wenn man vor Bord geht, lassen sich auch alle Verbraucher übersichtlich abschalten.

Hier sitzt auch das Display von Simarine zur Anzeige der Tanks und der Batterien. Das Display ist nicht nur optisch sehr gelungen, es hat auch eine Menge zusätzlicher Funktionen wie z.B. einen Barographen. Bei der Auswahl der Füllstandssensoren hat man eine freie Wahl, wir nehmen die Sensoren von Philippi.

Unter dem Display sitzt die Fernbedienung für den großen Victron Quattro (weiter unten im Bild).

Die ganze Elektrik findet hinter den Salonbänken ihren Platz. Da kann alles übersichtlich installiert werden und man hat für die Wartung leichten Zugang. Links hängt schon der Trenntrafo, um den Landstrom galvanisch vom Bordnetz zu trennen. Daneben ist der Sicherungskasten angebracht.

Hier wird dann auch die Navigationselektronik eingebaut. Der NAC-3 ist ein sehr schlauer Autopilot für die VOLT, der uns dank eines besonders genauen GPS-Kompasses hoffentlich sehr sicher über die Weltmeere schippern wird. Der Autopilot ist einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände an Bord, da man sonst Tag und Nacht am Ruder stehen müßte. Mit einer kleinen Crew oder sogar Einhand wären dann längere Törns nicht machbar.

Das Herz und Gehirn unseres Energiemanagements an Bord ist der große Victron Quattro, der Ladegerät, Inverter und „Load Balancing“ vereint. Man kann also z.B. den Landstrom auf 16A limitieren (ca. 3,2KW) und die restlichen 5KW für den Induktionsherd aus den Batterien holen – falls wir alle Herdplatten und den Backofen auf höchster Stufe einschalten würden. Dann fliegen am Steg keine Sicherungen raus. Allerdings ist der Quattro kein Leichtgewicht. Mit seinen über 70kg hat er einen Platz tief unten neben dem Hubkiel gefunden. Der schwarze Kasten ist übrigens der 200 Liter Wassertank an Backbord, der kleine graue Kasten ist der Grauwassertank, über den sich dann Spüle und Dusche in den zentralen Abwassertank entwässern.

Auf dem Weg ins Vorschiff liegen an Steuerbord die Seekojen, die jetzt von den Handwerkern als Ablage für die ganzen Geräte „mißbraucht“ werden. Da kann man gut sehen, was noch alles eingebaut werden muß. Die Komplexität einer modernen Yacht ist wirklich unglaublich. Das kann man aber nur erfassen, wenn man mal selbst eine gebaut hat. Bei der fertigen Yacht ist dann alles hinter Paneelen und Verkleidungen versteckt und man muß nur noch Knöpfchen drücken.

In der Stufe zum Vorschiff sind die Hauptschalter für Ankerwinsch, Hydraulik und Verbraucher versteckt. Wenn man das Boot für längere Zeit verläßt, werden üblicherweise alle Systeme von den Batterien getrennt, damit es bei einer möglichen Fehlfunktion nicht zu einem Brand kommen kann. Lediglich die Bilgenpumpen bleiben immer angeschlossen und müssen automatisch funktionieren.

Im Bad ist jetzt auch die Waschmaschine eingebaut. Die Daewoo Mini ist ein sehr kompaktes Modell, aber mit 3kg Waschleistung auch völlig ausreichend. Man findet sie häufig in Caravans eingebaut.

Unter der Waschmaschine findet sich noch ein kleines praktisches Detail, das ich bislang auf allen Yachten vermisst habe: einen Wäschesammler für Schmutzwäsche. So bleiben die Kabinen immer aufgeräumt.

Im Vorschiff leuchtet es blau, da ist schon die indirekte Beleuchtung in der Fußleiste installiert. Allerdings versagt bei dem Blau die Digitalkamera, es sieht in der Realität völlig anders aus. Mit der ausgefeilten Beleuchtung wird das Interior Design erst so richtig zur Geltung kommen. Mit einem Wort: geil.

Die Tür am „Niedergang“ wurde auch nochmal überarbeitet. Da entsprach die Befestigung noch nicht meinen Vorstellungen. Aber jetzt sitzt sie perfekt und die Verkleidung kann eingebaut werden.

Die Relingstützen wurden auch schon installiert. Wie man auf dem Foto gut sieht, kann man sich damit sehr sicher auf den Seitendecks bewegen, da man auf dem Dach die Haltegriffe in Hüfthöhe und auf der anderen Seite die Reling hat.

Der Carbon-Mast von Axxon muß noch ein wenig auf seinen Einsatz warten. Mit über 17m Höhe (20m ab Wasserlinie) bietet er dann auch viel Platz für eine enorm große Segelfläche. Ganz nach dem Motto „reffen kann man ja immer“. Ein Alu-Mast wäre ca. 2m kürzer ausgefallen. Allerdings auch nur halb so teuer gewesen. Hier liegt ein Porsche Panamera.

Den Segelplan der VOLT hatten wir ja schon in einem anderen Blogbeitrag im Detail beschrieben. Aber die Voraussetzung für die gute Performance unter Segeln ist eben der Carbon-Mast. Nur er bringt die extreme Festigkeit bei wenig Gewicht, damit man soviel Segelfläche fahren kann.

Ganz unten im Bild sieht man übrigens den „Galgen“, an dem später mal die Kamera im Masttop befestigt werden wird. Darüber hatten wir schon ganz oben im Beitrag geschrieben.

Die Skipperin scheint mit meiner bisherigen Arbeit jedenfalls zufrieden zu sein. Puuh, Glück gehabt!

Das waren die Updates bis Mitte Oktober 2019. Es wird also noch einige weitere Fotos geben.

Auf der Zielgeraden

Nach einer Winterpause waren wir wieder in der Werft, um den Baufortschritt zu dokumentieren. Natürlich wollten wir schon fertig sein. Aber so ist das im Yachtbau. Man bringt besser etwas mehr Zeit mit. Doch März ist jetzt Deadline, da wir ja im Juni auf dem Ancora Yachtfestival ausstellen möchten. Nach dem Innenausbau geht es zum Lackierer für das Antifouling und danach muß der Kiel mit der ganzen Hydraulik montiert werden. Da ist nochmal Präzision gefragt. Anschließend kommt die VOLT endlich ins Wasser und der Mast wird gestellt. Der Segelmacher nimmt dann an Bord nochmal Mass, da es immer wieder mal kleine Abweichungen zwischen der Konstruktionszeichnung und dem realen Ergebnis gibt. Die Segel sollen ja 100% passen. Aber das bedeutet nochmal 2-3 Wochen Wartezeit, bis die Segel fertig sind und wir tatsächlich das erste Mal segeln können. Zwischen den ersten Skizzen der VOLT und der ersten Fahrt unter Segeln werden dann etwa 4 Jahre vergangen sein. Wer eine Yacht baut, braucht also nicht nur ein ausreichendes Budget, sondern auch Geduld und Durchhaltewillen.

Die SOLBIAN-Solarpaneele wurden auch schon platziert und nutzen durch den ganz individuellen Zuschnitt jede verfügbare Fläche. Bei guter Sonne können wir damit 1KWh produzieren.

Die Portlights von Goiot aus Frankreich wurden auch angeliefert. Wir haben ja ein durchgehendes 360-Grad Fensterband im Decksalon und müssen für Belüftung sorgen. Normale Luken würden aber extrem hässlich ausschauen und das Design kaputt machen. Die Goiot-Portlights lassen sich so einbauen, dass man von Aussen kaum etwas bemerkt. Da bleibt eine durchgehende Fensterfläche ohne Rahmen. Wir installieren jeweils 2 Portlights vorne, achtern und seitlich, um den Decksalon immer gut belüften zu können. Dazu haben wir noch 2 große Dachluken.

Aber werfen wir einen Blick ins Boot, da hat sich beim Ausbau einiges getan.

Unsere Hauptschalttafel ist schon angeschlossen und funktioniert auch bereits. Die Beleuchtung können wir damit schon ausprobieren, was wir natürlich gleich machen. Licht ist ein wichtiges Designelement beim Interior Design.

Aber Licht hat an Bord einer Yacht auch einen ganz praktischen Nutzen. Die Deckenleuchten lassen sich auf Rotlicht umschalten, sodaß man auf Nachtwache unter Rotlicht bis ins Bad kommt und die Nachtsicht nicht zerstört wird.

Ok, ich gebe es ja zu. Als junger Student der Luft & Raumfahrttechnik träumte ich davon, eines Tages ein Raumschiff zu bauen. Nun ist es nur eine Yacht geworden. Aber so ganz konnte ich mich nicht beherrschen. Es sieht ein wenig „spacig“ aus. Aber die blauen Fussleisten sind einfach mega. Natürlich auch dimmbar.

Das wichtigste Stück Technik an Bord ist jetzt auch final eingebaut. Vorbei die Tage mit Instantkaffee an Bord.

Das auf Facebook am meisten diskutierte Gerät ist aber unser Induktionsherd. Kann man da bei Krängung auch kochen? Hier der Beweis. Er ist halbkardanisch aufgehängt. Aber fliegen dann nicht die Töpfe vom Herd? Nein, weil wir eine Silikonfolie auflegen, auf der die Töpfe wie angeklebt sitzen bleiben. Der Beweis wird bei 8 Bft nachgeliefert. Aber erstaunt hat es mich schon, dass Segler am leidenschaftlchsten über den Herd diskutieren und nicht etwa über Segeleigenschaften.

Ein Blick in die Spüle. Die Armatur muß noch installiert werden. Man beachte die gute Ausleuchtung der Arbeitsfläche. LED bieten da viel Spielraum.

Der Kühlschrank ist klassisch von oben zu öffnen. Wir werden dann noch Körbe einsetzen, damit nicht alle Vorräte auf einem Haufen liegen. Für einen Kühlschrank mit Fronttür hätten wir einen Schrank opfern müssen. Bei 42-Fuss muß man immer Kompromisse machen. Dafür ist im Lagerraum im Heck noch eine Tiefkühlbox untergebracht.

Gehen wir weiter ins Vorschiff. Natürlich wieder mit blauen Fussleisten. Nachts kann man sie stark dimmen, sodaß sie nicht stören, einem aber doch eine sichere Bewegung an Bord ermöglichen. Diese „Courtesy Lights“ haben also durchaus einen praktischen Nutzen.

Das Bad ist bis auf die Marlan-Oberflächen und Waschbecken fertig. Die elektrische Handtuchheizung (rechts) wird auch auf langen feuchten Ozeanpassagen für immer trockene Handtücher sorgen. Komfort hat auf Langfahrt einen ganz wichtigen Stellenwert. Nichts ist schlimmer, als ständig feuchte und klamme Kleidung.

Die separate Dusche ist fast fertig, da fehlt nur noch die Glastür. Die Dusche hat mit ca. 60×60 cm auch eine komfortable Größe. Beim Bad haben wir insgesamt auf eine eher großzügige Abmessung geachtet, da auf den meisten Yachten beim Bad gespart wird. Da ist dann eine separate Duschkabine schon Luxus, sodaß man beim Duschen gleich alles unter Wasser setzt.

Der Abfluss bekommt eine automatische Entwässerung von Whale, da der Grauwassertank über der Dusche liegt. Die Pumpe schaltet sich automatisch ein und pumpt das Duschwasser in den Grauwassertank.

Die Vorschiffkabine ist bezugsfertig. Die Matrazen und Polster liegen nur noch beim Lieferanten, damit sie nicht einstauben. Nur die Regale bekommen noch eine kleine „Edelstahlreling“, damit man dort Bücher oder anderen Kleinkram ablegen kann.

Das ist nun der Ausbaustand Ende Januar 2020. Anfang März 2020 waren dann die Fenster installiert, sodaß wir den Baufortschritt hier zeigen können.

Der Einbau der Goiot-Portlights ist etwas knifflig und da muß 100% exakt gearbeitet werden, sonst versaut man sich das Fenster und kann es neu bestellen. Das Portlight muß ja aus dem Fenster ausgeschnitten werden. Die Schnittkante muß exakt 3mm betragen, sonst sieht das Ergebnis nicht gut aus, das Fenster klemmt oder ist undicht. Also bauen wir uns ein Holz-Mockup und testen damit die genaue Position.

Das ist das Seitenfenster zur Querbelüftung. Sehr wichtig, wenn der Wind mal nicht von vorne kommt – zum Beispiel in einer Marina.

Vorne sind seitlich auch je ein Fenster eingebaut. Sie sind für die Längsbelüftung wichtig. Bei sommerlicher Hitze käme zwar durch die großen Deckenluken frische Luft, aber vorne im Decksalon würde sich die Hitze stauen. Durch die Portlights bekommt man am Kartentisch oder beim Kochen eine frische Brise ab.

Achtern gibt es zwei Fenster vom Decksalon ins Cockpit. Hier kann man auch gut bei starkem Regen lüften, weil das Salondach weit übersteht. Wir haben zwar die große Tür ins Cockpit, aber z.B. nachts oder bei Abwesenheit von Bord wäre sie verschlossen. Dann kann man die Portlights offen lassen und muß sich keine Gedanken machen, ob es ins Boot regnet.

Und so sieht es dann fertig aus. Der Einbau hat perfekt geklappt. Die Portlights sind Aussen rahmenlos, sodaß sich eine glatte Glasoberfläche ergibt.

Zum Vergleich ein typisches Portlight mit einem dicken Aluminiumrahmen, wie es in den meisten Yachten eingebaut wird. Da wird mir jeder zustimmen, das hätte unser ganzes Boot verschandelt. Das rahmenlose Fensterband um den Decksalon ist ja da auffälligste Designmerkmal der „VOLT“.

Ein Blick entlang der Scheibe zeigt, das man die Portlights fast nicht sieht. Genauso hatten wir uns das vorgestellt. Ein dicker Rahmen hätte das Design komplett zerstört. Aber ganz so einfach war das nicht in der Umsetzung. Es gibt nämlich nur einen einzigen Hersteller für diese rahmenlosen Portlights auf der Welt. Und den muß man erstmal finden.

Bei obigem Foto werden wir oft gefragt, warum wir keine „Speigatten“ eingebaut haben. Für Nichtsegler kurz zur Erklärung: Wenn Gischt oder eine Welle über das Boot schlägt, dann sammelt sich eine Menge Wasser an Deck. Das läuft dann seitlich durch Öffnungen in der Fußleiste (oder dem Schanzkleid bei größeren Schiffen) wieder ab. Wie wir in einem anderen Blogbeitrag aber bereits erklärt hatten, brauchen wir das nicht, weil das Deck einen negativen Decksprung hat. Es ist also ganz leicht nach oben gewölbt, sodaß das Wasser immer zum Heck hin ablaufen wird. Es kann sich also nicht mittschiffs sammeln. Auf Aluminiumrümpfen verursacht das ablaufende Wasser über die Jahre unschöne Streifen, wie man bei dieser Boreal sehen kann. Der Rumpf wirkt schmutzig.

Zum Cockpit hin sind die Scheiben nicht getönt, sondern klar. Sonst hätte man vom Cockpit aus nicht durch den Decksalon sehen können. Ebenso dient es der besseren Kommunikation, wenn man vom Steuerstand aus ins Boot sehen kann und nicht nur auf eine schwarze Fläche.

Von Aussen wiederum sind die Scheiben absolut blickdicht. Auch hier sind die beiden Portlights kaum zu sehen. Mit sauberen Scheiben wird es sicherlich noch besser aussehen. Der helle Balken in der Mitte ist übrigens nur die Reflektion der Deckenlampe. Die Scheibe ist durchgehend.

Auch die Rumpffenster sind schon eingeklebt. Sie sind ca. 10mm nach Innen versetzt, damit Fender nicht daran scheuern können und sie nicht verkratzen.

Da der Innenausbau fast abgeschlossen ist, konnte jetzt auch der Boden verlegt werden. Hier haben wir uns für einen eher rustikalen Holzboden entschieden, auch als Kontrast zum modernen und hellen Interior.

In der Sitzbank am Backbord-Steuerstand ist der Aussenborder (ePropulsion Spirit 1.0) mitsamt zwei Batterien untergebracht, die hier auch gleich geladen werden können. Der nur 10kg schwere Aussenborder ist dort schnell und sicher verstaut und auch gegen Diebstahl geschützt. Unten sieht man einen Teil der Trommel für die 100m Landleine, die direkt nach achtern abgerollt werden kann.

Gegenüber an Steuerbord hat der Kobra 2 Heckanker (10kg) seinen Platz gefunden. Da ist auch noch genug Platz für Festmacher und sonstige Leinen. Ganz rechts die Trommel für die Ankerleine mit 20m Kettenvorlauf für den Heckanker. Wenn man den Heckanker setzen möchte, würde man ihn also aus der Backskiste holen, an den Kettenvorlauf schäkeln und dann über die Ankerrolle am Heck fieren. Die Ankerrolle ist übrigens abnehmbar, da man den Heckanker nicht immer benötigt und die Ankerrolle nur stören würde, wenn man achtern an einem Pier anlegen möchte.

Der Ausbau ist zwar noch nicht komplett fertig, aber wir haben nächste Woche einen Termin beim Lackierer. Das Unterwasserschiff bekommt das Antifouling. Dazu muß zuerst wieder die Oxidationsschicht abgestrahlt werden, dann wird ein Primer aufgetragen und dann wird mit Hart-Antifouling lackiert. Der Geräteträger bleibt in der Werft und wird gerade verkabelt.

Das ist der Ausbaustand von Anfang März 2020.

 

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