Eine Menge Technik – der Geräteträger der VOLT

von Hendrik Heimer am 03.07.2020 / in Bootsbau

Der Geräteträger der VOLT sorgt mit seiner Phalanx aus Antennen und elektronischen Geräten immer für neugierige Blicke und Rückfragen. Wofür ist das? Was ist da installiert? Kein Problem, in diesem Blogbeitrag werden wir darauf eingehen.

Vielleicht zuerst einmal die Frage, was ist überhaupt ein „Geräteträger“ und wozu braucht man ihn? Moderne Yachten haben eine Menge Technik an Bord, zumeist aber eine Radarantenne. Der Platz ist aber sehr begrenzt und meist würde die Antenne nur stören. Viele Yachten haben das Radar deshalb auf halber Höhe am Mast angebracht, noch größere Yachten oft auf der Saling. Aber ideal ist das nicht, weil es viel Gewicht in den Mast verlagert.

So kam man schon recht bald auf die Idee, einen Bügel am Heck anzubringen und die Antenne dort zu montieren. Und weil der Bügel so groß ist, passen da auch noch ein paar Solarpaneele oder ein Windgenerator drauf. Das ist eine ganz typische Konfiguration auf Langfahrtyachten.

Wir haben nun keinen Windgenerator und die Solarpaneele von SOLBIAN sind optisch unauffällig auf dem Salondach untergebracht. Aber dafür haben wir jede Menge anderes technisches Gerödel, für das der Geräteträger einen perfekten Platz bietet.

So sieht der Geräteträger der VOLT momentan aus:

  1. Zwei Foscam IP-Kameras an Backbord und Steuerbord. Sie sind drehbar und dienen hauptsächlich der Aufnahme von Segelvideos. Die feste Installation macht es einfacher, eine Szene aufzunehmen und man muß nicht erst auf dem Boot herumturnen, um eine GoPro zu montieren. Natürlich können die Kameras auch ihre eigentliche Funktion als Sicherheitskameras erfüllen. Mit den eingebauten Bewegungsmeldern und Infrarot-Leuchten können sie einen Alarm auf mein Handy schicken, wenn jemand auf dem Boot herumklettert.
  2. Zwei starke LED-Scheinwerfer an Backbord und Steuerbord. Nachts in einer dunklen Marina, Hafen oder Ankerbucht sind die Scheinwerfer sehr hilfreich. Sie können auch das Heck gut ausleuchten, falls man dort arbeiten und z.B. nachts das Dinghy verstauen muß. Auf den meisten Yachten ist das Heck überhaupt nicht ausgeleuchtet, obwohl man dort häufig zu tun hat.
  3. Mit der Multiband-Antenne holen wir uns Internet über LTE oder Wifi-Hotspots an Bord. Mit der Antenne hat man eine enorme Reichweite und kann vor allem das Wifi-Signal in Marinas wesentlich verbessern. Die meisten Cafes oder Restaurants bieten heutzutage auch Wifi und mit der Antenne kann man die Hotspots auch vom Ankerplatz aus anzapfen.
  4. Die kleine GPS-Antenne ist unser Backup, falls die große Antenne (8) mal ausfallen sollte.
  5. Mit dem Horn machen wir uns bemerkbar, falls das mal notwendig sein sollte. Ein typischer Fall, den wir im Mittelmeer schon mehrfach hatten, ist eine Yacht unter Autopilot auf Kollisionskurs – und niemand ist an Deck zu sehen.
  6. Das digitale 4G-Radar benötigt nur sehr wenig Strom und kann 24/7 in Betrieb sein. Außerdem braucht man keine Angst haben, dass einem die intensive elektromagnetische Strahlung des Magnetrons das Gehirn wegbruzelt, so wie es noch in den älteren Radargeräten verbaut war. Das Radargerät warnt nicht nur vor Hindernissen, sondern zeigt auch sog. „Squalls“ auf offener See an, also plötzlich auftretende Gewitterfronten mit Starkregen und heftigen Böen.
  7. Noch eine GPS-Antenne, diesmal vom AIS. Das AIS ist ein „Automatic Identification System“ für Schiffe. Damit ist unsere kleine Yacht selbst für den größten Supertanker gut sichtbar. Umgekehrt sehen wir damit alle großen Pötte der Berufsschifffahrt, ihren Kurs und Geschwindigkeit und werden sogar vor möglichen Kollisionen gewarnt.  In dicht befahrenen Gewässern wie der Nord- und Ostsee oder dem Englischen Kanal also ein äußerst hilfreiches Stück Technik.
  8. Der GPS-Kompass ist das Highlight auf unserem Geräteträger. Die VOLT ist ja eine Yacht für die hohen Breiten – also für arktische und antarktische Gewässer. Aber dort häufen sich Anomalien im Magnetfeld und die Inklination der Magnetfeldlinien ist sehr flach. Ein Magnetkompass kann deshalb plötzlich eine völlig falsche Richtung anzeigen. Da der Autopilot auch mit einem Magnetkompass arbeitet, sind auch plötzliche Richtungsänderungen um 90 Grad möglich. Je nach Situation kann das lebensgefährlich sein und erhebliche Schäden verursachen. Der GPS-Kompass ermittelt die Position und Fahrtrichtung allein aus dem GPS-Signal unabhängig vom Erdmagnetfeld. Er arbeitet wesentlich genauer als ein Magnetkompass, was die Leistung des Autopiloten auch unter normalen Bedingungen verbessert.

Der Geräteträger der VOLT erfüllt noch weitere Funktionen. In der Mitte sieht man das weiße Navigationslicht von Lopolight. Nach vorne zum Cockpit hin wird das Bimini als Sonnen- und Regenschutz am Geräteträger befestigt. Und nach achtern wird er unser Dinghy tragen, das man über einen Bügel ganz einfach fieren und absenken kann. An den beiden Stützen werden wir noch Klemmen für zwei Bootshaken anbringen, die dort bei Bedarf immer schnell erreichbar sind.

So ein Geräteträger ist also multifunktional und sozusagen ein „Schweizer Taschenmesser“ an Bord. Er macht aus dem Cockpit einer Yacht  einen besseren Arbeitsplatz und erhöht die Sicherheit auf See.

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